Song

Song

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Sọng 〈m. 6
1. Schlager, Lied
2. 〈seit B. Brecht u. K. Weill〉 scharf satir. Lied im Stil des Bänkelsangs mit Jazzelementen
[engl., „Lied“]

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Song [sɔŋ ], der; -s, -s [engl. song = Lied, ablautende Bildung zu: to sing = singen]:
1. (ugs.) Lied (der Unterhaltungsmusik o. Ä.):
ein S. von Bob Dylan, den Beatles.
2. (musikalisch u. textlich meist einfaches) einprägsames, oft als Sprechgesang vorgetragenes Lied mit zeitkritischem, sozialkritischem, satirischem o. Ä. Inhalt:
ein S. von Brecht und Weill, aus der Dreigroschenoper.

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I
Sọng
 
[englisch] der, -s/-s, allgemein nach dem angloamerikanischen Sprachgebrauch soviel wie Lied (etwa Folksong, Gospelsong); spezieller ist Song eine dem neueren Chanson und Couplet verwandte Liedgattung. Formal kennzeichnend ist der Aufbau aus (Vor-)Strophe (englische verse) und Refrain, inhaltlich der meist sozialkritische und/oder satirische Gehalt. Musikalisch werden Elemente des Music-Hall-, Kabarett- und Varieteeliedes, von Bänkelsang und Moritat, Schlager und andern volkstümlichen Liedtypen sowie von Jazz und zeitgenössischer Tanzmusik verwendet. Dieser Song wurde nach dem Ersten Weltkrieg v. a. in den Agitpropgruppen der deutschen Arbeiterbewegung entwickelt. Er wurde dann besonders durch B. Brecht und die Komponisten K. Weill, H. Eisler und P. Dessau zur Hauptform des epischen Musiktheaters sowie des sozialistischen Kampf- und Massenliedes. (Protestsong)
II
Song,
 
Sung, Name mehrerer Dynastien in China, 1) eine der südlichen Dynastien während der ersten Reichsteilung in Nord und Süd, regierte 420-479; 2) die 960-1279 regierende Dynastie; sie einigte China nach der zweiten Reichsteilung in Nord und Süd; die Nördlichen Song (960- 1127) regierten Gesamtchina, die Südlichen Song (1127-1279), nach dem Verlust Nordchinas an die Dschurdschen (1126), nur noch das südliche Rumpfreich. (China, Geschichte)
 
 
D. Kuhn: Die S.-Dynastie (960 bis 1279). Eine neue Gesellschaft im Spiegel ihrer Kultur (1987).
III
Song
 
[englisch, sȖ; wörtlich »Lied, Gesang«], bezeichnete in den englischen Music-Halls des 19. Jahrhunderts und ihren Vorläufern, den Kneipenvarietés, das zu Amüsement und Unterhaltung dargebotene Vortragslied in Strophenform mit wiederkehrendem Refrain, das in seinem humoristischen, gelegentlich auch melodramatisch-sentimentalen Charakter auf die Tradition der Straßenballade zurückging. Es lebte im Volkswitz, der Parodie und Persiflage. So kam es auch in die amerikanischen Music-Halls und Vaudeville Theater und wurde hier von den sich Ende des 19. Jahrhunderts herausbildenden Verlagen (Tin Pan Alley) aufgegriffen, die es zum Hauptgegenstand ihrer kommerziellen Aktivitäten machten. Unter ihrem Einfluss erfuhr es eine Standardisierung, in deren Verlauf sich bis zu den Zwanzigerjahren ein zweiunddreißigtaktiges Formmodell herausbildete, das zur Standardform des Tin-Pan-Alley-Songs bzw. des amerikanischen Schlagers wurde und dann sowohl im Jazz eine tragende Rolle spielte als auch in Rock 'n' Roll und Rockmusik seine Spuren hinterlassen hat. Die Verleger entdeckten sehr bald, dass über den kommerziellen Erfolg eines Liedes hauptsächlich der wiederkehrende Refrain, dessen Einprägsamkeit und Nachvollziehbarkeit, entschied. In dem Maße, wie sich bei der Produktion solcher Lieder der Schwerpunkt immer mehr auf den Refrain verschob und die eigentlich auch inhaltlich das Gerüst bildenden erzählenden Strophen an Bedeutung verloren, verselbstständigte er sich, bis die Songs schließlich nur noch aus dem variierten Refrain (Chorus) bestanden. Der achttaktige Refrain des ursprünglichen Songs in Strophenliedform wurde damit zur Grundlage eines Formmodells, das auf der textlich variierten Wiederholung dieser acht Takte, unterbrochen nur durch einen kontrastierenden, meist instrumentalen Zwischenteil (Bridge), aufbaut. Diese zweiunddreißigtaktige Chorusform des Tin-Pan-Alley-Songs hat den Ablauf AABA, wobei der dreimal wiederkehrende achttaktige Teil A musikalisch und inhaltlich dem früheren Refrain (Chorus) entspricht, während der ebenfalls achttaktige Zwischenteil B (Bridge) das stereotype Wiederholungsschema als musikalischer Kontrast auflockert. Verbunden war damit natürlich auch eine inhaltliche Begrenzung, da der Song so seinen erzählenden Charakter verlor und nun auf das mehr oder weniger undifferenzierte Wiedergeben einiger Grundstimmungen festgelegt war. Mit dem lyrisch-sentimentalen, dem melodramatischen und dem Novelty Song bildeten sich drei Grundtypen heraus, die für die Tin-Pan-Alley-Produktion fortan charakteristisch wurden. Auch wenn sich durch Verlängerung oder Verkürzung der einzelnen Formteile und eine von dem formalen Schema gelegentlich abweichende musikalische Gestaltung (AABC, ABAC, ABCA) Varianten ergaben, blieb das Grundmuster der zweiunddreißigtaktigen Chorusform doch die Vorlage für Tausende von Tin-Pan-Alley-Songs. Er verlor seine zentrale Bedeutung erst, als mit der Durchsetzung des Rock 'n' Roll die Musikverlage ihre jahrzehntelang führende Position im Musikgeschäft an die Plattenfirmen abtreten mussten und der Notendruck zu einem sekundären und dann schließlich nur noch urheberrechtlich interessanten Element der Musikproduktion wurde. Neben der dreiteiligen Bluesform (Bluesformel) hat die zweiunddreißigtaktige Chorusform des Tin-Pan-Alley-Songs die Entwicklung der populären Musik in den USA insgesamt jedoch so entscheidend geprägt, dass sie sich auch im Rock 'n' Roll und in der Rockmusik, allerdings flexibler gehandhabt, immer wieder findet.
 
In Deutschland löste die Songtradition der britischen Music-Hall in den Zwanzigerjahren eine ganz anders geartete Entwicklung aus, die hauptsächlich von Kurt Weill (1900-1950) und Hanns Eisler (1898-1962) getragen wurde. Der Song hatte als Vortragslied damals längst auch die deutschen Kabarettbühnen (Kabarett) und Varietés erobert. Im Zusammenhang mit Brechts Theaterkonzeption griffen Weill und Eisler ihn auf und integrierten ihn in die Bühnenmusiken zu Brechts Stücken. Entsprechend den Anforderungen der Theaterästhetik von Brecht nach einem »gestischen« Musizieren, das nicht emotionale Stimmungen nachbildet, sondern die Vorgänge auf der Bühne in ihrem sozialen Gehalt musikalisch transparent machen hilft, hinweisend und aufzeigend ist, nicht einfühlend oder den Intellekt betäubend, entstand ein Songtyp, der durch seinen lapidaren, vom Jazz beeinflussten rhythmisch-aggressiven Melodieduktus gekennzeichnet ist und sich das erste Mal in der »Dreigroschenoper« (1928) von Brecht und Weill voll ausgebildet findet. Eisler bezog diese Form des Songs, die formal an den strophischen Aufbau mit Refrain gebunden blieb, in sein musikalisches Schaffen ein und gab ihr ein unverwechselbares Gepräge. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Song-Stil.

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Song [sɔŋ], der; -s, -s [engl. song = Lied, ablautende Bildung zu: to sing = singen]: 1. (ugs.) Lied (der Unterhaltungsmusik o. Ä.): ein S. von Bob Dylan, den Beatles; Die Musik war an meinem Platz deutlich zu hören. Es war ein S. von irgendeinem italienischen Sänger (Ich 1998, 14). 2. (musikalisch u. textlich meist einfaches) einprägsames, oft als Sprechgesang vorgetragenes Lied mit zeitkritischem, sozialkritischem, satirischem o. ä. Inhalt: ein S. von Brecht und Weill, aus der Dreigroschenoper; Die -s, mit denen er (= Jean Cocteau) die „Vedettes“ der Music-Hall beschenkt ..., sind ebenso wirkungsvoll wie seine berühmten Librettos (K. Mann, Wendepunkt 199).

Universal-Lexikon. 2012.

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Synonyme:

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